Bericht über die Besichtigung des Paulusdoms zu Münster

Bericht über die Besichtigung des Paulusdoms zu Münster

Am 30. Mai 2014 führte Frau Friederike v. Westerholt die Mitglieder aus dem Bezirk Münsterland und Gäste aus anderen Bezirken durch das Innere des renovierten Paulusdoms in Münster.

Ziel des Interesses war hier die Astronomische Uhr, die glücklicherweise den Bombenangriff auf den Dom im II. Weltkrieg nahezu unversehrt überstanden hat und heute noch dem Besucher ihren vollen Funktionsumfang präsentiert. Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Uhrwerk ist in künstlerischer und technischer Hinsicht als herausragendes Meisterwerk der damaligen Zeit zu betrachten. Frau v. Westerholt erläuterte uns in ihrer anschaulichen Schilderung die vielfältigen astrologischen Funktionen dieser Uhr.
Danach besuchten wir die dem Dom angeschlossene Domschatzkammer. Sie beherbergt ca. 700 kirchliche Gemälde, Gewänder, Skulpturen und Reliquien aus unterschiedlichen Zeitepochen.

Frau v. Westerholt führte uns u.a. zwei herausragende Werke klerikaler Kunst des frühen Mittelalters vor:

Der Pauluskopf stammt aus dem Jahr 1040. Er ist zugleich das älteste Reliquiar in der Ausstellung und im ganzen Abendland. Die Skulptur zeigt den Bistumspatron – mit hoher kahler Stirn und Bart. Er besteht aus einem Holzkern, mit dünnem Goldblech beschlagen und Edelsteinen besetzt; im Inneren enthält er ein Schädelfragment des heiligen Paulus. Das Reliquiar ist damit ein „redendes Reliquiar“, bei dem die Form den unsichtbaren Inhalt für den mittelalterlichen Gläubigen begreifbar machte.

Das Reliquienkreuz ist in Münster, um 1090 entstanden. Dieses goldene Reliquienkreuz ist eines der schönsten und ältesten Altarkreuze in den europäischen Schatzkammern. Es erhebt sich über einem iranischen Bergkristallfuß in Form einer Schachfigur. Das lateinische Krückenkreuz ist als Gemmenkreuz mit verschiedenfarbigen Saphiren, Rubinen, Smaragden und 40 Perlen reich verziert. Auf der Rückseite ist in Graviertechnik der gekreuzigte Christus als Sieger über den Tod mit offenen Augen dargestellt, zu beiden Seiten die trauernden Gestalten der Sonne und des Mondes, die auf die kosmische Erschütterung hindeuten.

Nach der Besichtigung von Dom und Schatzkammer kehrten wir in den traditionsreichen Gasthof Stuhlmacher neben dem Rathaus ein, wo wir bei anregenden Gesprächen den Nachmittag ausklingen ließen.

Dieter Schwertführer
Beauftragter für den Bereich Münsterland